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Heute VOR 40 JAHREN


Ein Bericht der Neuen Nidwaldner Zeitung von Beat Christen vom Montag, 4. Oktober 2004
Bilder aus dem Archiv der Luzern-Stans-Engelberg-Bahn

Sackgeld ging für Schmierseife drauf

Was für ein Abschiedsfest für die alt-ehrwürdige Stansstad-Engelberg-Bahn (StEB). Nachdem bereits am 27. August 1964 der letzte Zug die Zahnradstrecke von Grafenort nach Engelberg in Angriff genommen hatte, schlug am 4. Oktober 1964 endgültig die letzte Stunde für das grün/weisse Bähnlein. Fast auf den Tag genau hatten sich die Räder der StEB gedreht. Jetzt musste sie Platz machen für die neue Bahn - die Luzern-Stans-Engelberg-Bahn.


Triumpffahrt
Doch einfach so konnte die Stansstad-Engelberg-Bahn nicht von der Bildfläche verschwinden. Die Abschiedsfahrt wurde zur wahren Triumpffahrt. Von Stansstad her kam der festlich geschmückte Zug, der die Gäste vorerst nach Wolfenschiessen brachte. Der Zug hatte allerdings Verspätung. An der Bahn lag es jedoch nicht. Denn in Dallenwil musste zuerst Schmierseife von der Schiene geputzt werden, bis die StEB die kleine Steigung nach Wolfenschiessen meistern konnte. Bei einigen Dallenwiler Buben ging wohl das Sackgeld für einige Kilogramm Schmierseife drauf, die sie zuvor auf die Schnienen gestrichen hatten.



Es war um 19.45 Uhr
Im Parkhotel Eintracht in Wolfenschiessen begrüsste der damalige Gemeindepräsident Adolf Gabriel die Vertretungen von Regierungsrat, Landrat, Gemeinderäten und Verwaltungsräten der Bahn, die sich für die letzte Fahrt in den Zug gesetzt hatten. Es war 19.45 Uhr, als der Wolfenschiesser Bahnhofsvorstand Christian Lauener die Strecke für die Abschiedsfahrt freigab. «Wild heulten, krachten und blitzten die Knalle, die eifrige Buben auf die Schienen legten», war später im «Nidwaldner Volksblatt» nachzulesen.



«Letzter Gruss»
Der letzte Zug machte nochmals an jeder Station Halt. In Dallenwil formierte sich ein Trauerzug und die Musikgesellschaft intonierte einen Trauermarsch. «Solch himmeltraurige und doch von Herzen kommende Weisen wird man nie mehr zu Gehör bekommen», hielt der Chronist damals fest. Mit einem Trauerkranz und der entsprechenden Inschrift «Letzter Gruss» am Triebwagen ging die Reise weiter nach Stans. Wohl selten hatte der Stanser Bahnhof so viele Besucherinnen und Besucher gesehen, als die letzte StEB-Komposition im Bahnhof einfuhr. Im «Nidwaldner Volksblatt" war dann nachzulesen: "In Stans stand mitten im Abschied nehmenden Volk Domini, der Landesschwertträger mit einem riesigen Richtschwert bewehrt. Das Todesurteil über die Bahn und Bahnhof ist gefällt. Der Baudirektor, Regierungsrat August Albrecht, ist zum Vollzug der Strafe aufgerufen.»



Auf ein neues Zeitalter
Stansstad - die letzte Station. Entlang der Strecke und auf dem Bahnhofplatz wurde nochmals dem grünweissen Bähnlein zugewunken. «Die Anhänglichkeit der Bevölkerung hatte sich damit erneut dokumentiert», war ein Jahr später im Jahresbericht des Verwaltungsrates nachzulesen. Mit so viel Anteilnahme an der Abschiedsfahrt hatte niemand gerechnet. Im Saal des Hotel Winkelried ging später die Feier zu Ehren der Stansstad-Engelberg-Bahn über die Bühne. In die Wehmut mischte sich aber schon bald auch Vorfreude auf die neue Bahn. Baudirektor August Albrecht rief damals den 19. Dezember 1964 zum Festtag des Jahrhunderts für Nidwalden und Engelberg aus und meinte damit jenen Tag, wo zum ersten Mal eine Zugskomposition von Luzern nach Engelberg fahren wird. Noch spät in der Nacht stiess man an diesem 4. Oktober 1964 auf die gute alte Stansstad-Engelberg-Bahn an und als später die Gäste den Winkelriedsaal verliessen hatten sie die Gewissheit, dass schon bald für Nidwalden und Engelberg ein neues Eisenbahnzeitalter anbrechen wird.


Beat Christen

Infos zu den Bildern von oben links:
  • Fahrgäste im Bahnhof Engelberg
  • Bahnhof Stans (Chnusperhäuschen)
  • Bahnhof Stansstad (Heute Schiffstation der SGV)
  • Direktor Josef Neuhaus und Betriebschef Rene Domeniconi führten die lange das Zepter der LSE
  • Bergfahrt beim Strassenkehr unterhalb der Haltestelle Grünenwald. In der Berglok Theodor Scheuber.
  • Doppeltraktion im Bereich Boden in Engelberg
  • Ein-und Auslad im StEB Bahnhof Stansstad
  • Einfahrt in die Dienststation Ghärst (Original Glasplatte)
  • Bahnhofvorstand Kerber in Dallenwil
  • Die Baudiensttruppe unter Bahnmeister Odermatt (mitte, links davon sein Nachfolger Franz Hess) zusammen mit Leuten der Fa. Vanoli nach erster Durchfahrt eines "Zuges" durch den neu erstellten Loppertunnel in Hergiswil

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